Geschichte

Herrenmühle mit Familie Döhler 1918

Postkarte von 1907, Herrenmühle auf der rechten Seite
Chronologie
1590 - Der erste Erbleiheträger der Vorwerksmühle, Johannes Scherer, erhält seinen Erbleihbrief.
1646 - (bis 1655) Erwähnung des Schlosses von Merlau in der Topographia Hassiae et Regionum Vicinarum durch Matthäus Merian: "Nicht fern von dieser Statt ligt gedachtes Schloß Mörla / oder Merla / in einem Thal vnnd Wiesengrund / welches LandGraff Ludwig ältere auff das zierlichste erbawet hat: Vnnd sind in dieser Gegend viel schöne Wälde / vnd bequeme Jagten."
1692 - Bauantrag des Johannes Becker an den Hessischen Landgrafen in Darmstadt, ein weiteres Mühlchen zu bauen. Eine Abschrift des Briefes und die Kopie eines von Hand gefertigten Grundrisses hängt im Ferienhaus aus.
1790 - Da das Schloss seit 1618 in mehreren Kriegen als Quartier für durchziehende Truppen diente und die Bauern genug davon hatten, dass die Armeen ihnen das Getreide und Vieh wegnahmen, wurde das Dach abgedeckt und so der Verfall eingeleitet. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss als Steinbruch für die umliegenden Häuser verwendet (wie zum Beispiel die Merlauer Kirche, in der noch heute ein steinernes Wappen ausgestellt ist).
1859 - Die Herrenmühle geht in den privaten Besitz von Heinrich Damm über.
1872 - Theodor Bindewald, ein lutheranischer Pfarrer aus dem nahegelegenen Groß-Eichen, publiziert "in der heiligen Adventszeit" eine Sagen- und Märchensammlung über Geschichten aus der Region, in der unter anderem die Herrenmühle namentlich erwähnt wird.
1899 - Modernisierung der Herrenmühle "mit aller technischer Vollkommenheit moderner Zeit".
1904 - Moritz
Döhler erweitert die Herrenmühle um eine Weberei, betrieben durch die
Wassermühle, ein Jahr später versorgte er sein Haus mit elektrischem
Licht. Das war damals ein Novum und die Mühle war das einzige Haus im Ort mit solch einem Fortschritt.
1920 - Die Herrenmühle beliefert ganz Merlau mit elektrischem Strom.
1932 - Die Scheune des Vorwerkshofes brennt ab und wird wiederaufgebaut.
1968 - Aufgrund einer Veränderung der Wasserläufe sollte der Mühlgraben geräumt werden und da die Rentabilität einer Mühle immer mehr schwand, verzichtete Moritz Döhler auf das Wasserrecht. Der Bach, der die Mühle mit Wasser versorgte, wurde abgegraben.
1971 - Meine Eltern, Monika
und Klaus Goletzka erwerben die Herrenmühle, um sich ihren Traum vom Besitz einer Mühle zu verwirklichen.
1990 - Der Regierungspräsident in Gießen mietet die Herrenmühle, um dort übergangsweise rückkehrende Aussiedler aufzunehmen.
1993 - Die Herrenmühle wird in verschiedenen Wohneinheiten an Privatpersonen vermietet.
2012 - Die Herrenmühle wird ein weiteres Mal umgebaut, dieses mal entstehen Ferienwohnungen und Gruppenunterkünfte.
Sagen & Märchen
In unserem Feriensitz hängen ausführliche Versionen der aufgelisteten Geschichten aus, die von Theodor Bindewald gesammelt wurden, als Oberhessische Antwort auf die Märchensammlung der Gebrüder Grimm. Freuen Sie sich darauf, diese und zwei andere Geschichten dort (oder hier) durchzulesen.
Die letzte Schlossjungfrau zu Merlau: So gut wie jedes deutsche Schloss hat eine Weiße Frau. Die Merlauer Weiße Frau hatte, wie in diesem Märchen erzählt wird, immer ihren Gang zur Herrenmühle...
Der schlafende Schäfer vor dem Merlauer Schloss: Einem Schäfer, der beim Bau des Merlauer Schlosses zuschaut und kurz einnickt, erscheint die Weiße Frau. Sie möchte ihm ihren Schlüsselbund reichen, doch der Schäfer rennt in Furcht davon. Wir stellen uns gerne for, dass er auf der Wiese vor unserem Haus geschlafen hat...
Das Verwundete Konfirmandenkind: Ein Konfirmandenkind schläft beim Versteckspielen ein. Als es aufwacht, sind alle verschwunden. Nur eine Weiße Frau ist noch dort und bittet das Kind wortlos, ihre Schlüssel zu nehmen. Das Kind flieht vor der Frau, die dem Kind den Schlüsselbund hinterherwirft...


Historische Dokumente

Geschichten aus dem Dorf
Das lumpige Merlau
"Eine Episode ist mir in Erinnerung geblieben, die mir mein Großvater erzählt hat. Während der Umbauarbeiten an der Mühle [Anm.: ca. 1890] soll Philipp Heister [Anm.: damaliger Besitzer der Herrenmühle] seinen Müllerburschen in das Dorf geschickt haben, um 100 Mark zu wechseln. Der Bursche kam zurück, denn keiner in Merlau konnte zu dieser Zeit 100 Mark wechseln. Philipp Heister soll sich darauf hin ganz oben in das höchst gelegene Fenster gestellt haben und soll folgendes gerufen haben: "Das lumpige Merlau kann noch nicht einmal 100 Mark wechseln." (Robert Keller, Merlau, 2012 in seiner Chronologie über die Herrenmühle)
Forellen am Mühlrad
Während einer Dachreparatur im Sommer 2018 kam ein alter Merlauer an der Mühle vorbei und hielt kurz an. Er erzählte, wie er als Kind in der Herrenmühle mit dem Kescher Forellen fing. Diese sammelten sich im Wasser vor dem Mühlrad und waren wohl leichte Beute.
Die Gute Seele der Herrnmühle
Es war auch einmal eine Gute Seele, die, immer wenn die Besitzer aus den verschiedensten Gründen nicht dort waren, ein Auge auf die Herrnmühle hatte. Man erzählt sich, dass die Gute Seele garnicht selbst in der Herrnmühle wohnte, sondern in einem gemütlichen Häuschen ein paar Straßen weiter. Niemand wusste genau wie sie es anstellte, aber sie wusste immer, wo die Haustürschlüssel versteckt waren. So konnte sie sich jederzeit Zugang verschaffen. Wie alle wohlgesonnenen Hausgeister verließ die Gute Seele das Haus immer ordentlicher, als sie es vorfand, und sie forderte nie eine Belohnung oder gar Bezahlung. Der Sage nach erscheint die Gute Seele manchmal mit einem riesigen Hund, der, wenn auch groß, immer freundlich und verspielt ist. Aber die Gute Seele kümmerte sich nicht einzig und allein um die Herrnmühle. Sie ist auch oft in der Hobstallstowwe anzutreffen, wo sie allerlei Krimskrams und wertvolle Gegenstände hortet (mitunter auch aus der Herrnmühle!). Noch heute gehen Einheimische und solche, die von weiter weg kommen, gerne dorthin, um sich die Sammlungen der Guten Seele anzusehen. (Erzählt von Julian Goletzka)
Historische Bilder
(Danke an das Team der Hobstallstowwe!)

Der (oder Merlauisch: die) Bach, die die Mühle früher angetrieben hat. (ca. 1933)

Von etwas weiter weg. Der Herr und die Kinder sind uns (noch) unbekannt
(vermutlich vor 1933).

Noch etwas weiter weg - links befindet sich heute der sehr schöne Kinderspielplatz
(vermutlich vor 1933).
Eine kurze Geschichte der Herrenmühle
Die Herrenmühle war früher Teil des Vorwerks des Merlauer Schlosses (daher der Name der Adresse "Vorwerkshof 1"). Ein Bild des Schlosses hängt im ersten Stockwerk im Flur. Das Merlauer Schloss soll so viele Fenster gehabt haben, wie es Tage im Jahr gibt. Urkundlich zum ersten Mal erwähnt wurde die Herrenmühle 1590. Zum Vorwerk gehören noch der gegenüberliegende Stall und die westlich gelegene Scheune, sowie ein weiterer Gebäudeteil im Osten, der inzwischen leider nicht mehr existiert. Das Vorwerk war der Versorgungsbetrieb des Schlosses und versorgte die Bewohner mit allem, was nötig war. Außerdem wurden dort die Pferde und Wagen untergebracht.
In verschiedenen Kriegen zogen immer wieder Armeen von Osten nach Westen und umgekehrt. Diese quartierten sich häufig in das gut befestigte Schloss ein und bedienten sich bei den Erzeugnissen der Bauern, um ihre Armeen zu unterhalten. Daher erlaubte der Staatsfürst aus Darmstadt den Bauern später, das Dach abzudecken und damit den Zerfall des Merlauer Schlosses einzuleiten. Inzwischen sind nur einige wenige Grundmauern übrig, da das Schloss in den folgenden Jahren und Jahrzehnten als Steinbruch für die Anwohner diente. Das Schloss ist also in vielen Häusern der Region verbaut.
Ebenfalls im Flur im ersten Stockwerk hängt ein Original Bauantrag aus dem Jahre 1692. Dieser wurde, mitsamt des dazugehörigen Briefes, von einem Nachbarn bei einer Recherche über bekannte Gebäude des Dorfes im Staatsarchiv Darmstadt gefunden. Es zeigt, in einer sehr kindlichen Art und Weise der Zeichnung und Perspektive, wie das Vorwerk einmal ausgesehen hat. Das untere Gebäude ist die Herrenmühle, das obere Gebäude ist der gegenüberliegende Stall und das linke Gebäude ist die westlich gelegene Scheune. Der Brief zeigt hervorragendes Beamtendeutsch des damaligen Jahrhunderts. Offensichtlich war es bei Bauanträgen wichtiger, dem Fürsten zu schmeicheln, als maßstabsgetreue Skizzen vorzulegen. Oder vielleicht doch nicht, da der Bau des zusätzlichen Mühlchens nie genehmigt wurde.
Der Fluss, der die Mühlräder der Mühle antrieb, existiert heute so nicht mehr. Er lief neben der Straße herunter und trieb die Mühlräder im Keller des Hauses an. Die zugemauerte Stelle kann man noch erkennen. Ein älterer Nachbar erzählt mir, dass er dort als Junge (das muss ca. 1930 gewesen sein) im Keller Forellen zu fangen pflegte, die sich dort gesammelt hatten.
Zu guter Letzt noch etwas, dass man den Kindern nur unter Vorsicht erzählen sollte. Zu fast jedem deutschen Schloss gehört auch eine Weiße Frau. Das ist eine Art Gespenst. Eine durchscheinende, weiße, weibliche Gestalt, die immer einen großen Schlüsselbund mit vielen Schlüsseln mit sich trägt. Was genau diese Folklore bedeutet, weiß man nicht genau. Die Weiße Frau versucht immer, ihre Schlüssel abzugeben, doch das gelingt ihr nie, da die Menschen sich so vor ihr fürchten. So hatte die Merlauer Weiße Frau immer ihren Gang nach der Herrenmühle, wie man in den Sagen und Märchen Oberhessens nachlesen kann. Der Text wurde kopiert und ebenfalls im Flur im ersten Stockwerk aufgehängt. Ebenso weitere Sagen und Märchen rund um das Merlauer Schloss und die Weiße Frau. Die Weiße Frau gibt es aber nicht mehr, da sie, nach dem Abbau des Merlauer Schlosses, am Schlossgraben "zu Duft zerfloss". Die Weiße Frau spukt hier also nicht mehr – aber vielleicht gibt es noch andere Gespenster?
